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„Nicht alles auf einmal …“

Bei der Automatisierung von Werkzeugmaschinen spielen mehrere Faktoren eine wesentliche Rolle. Wir haben dem bei Lösungs- und Systemanbieter Promot Automation nachgefragt, wie man erfolgreich Projekte beginnt, realisiert und wo eine Automatisierung Vorteile bringt.

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Eine standard Roboterzelle von Pomot: Beispiel für flexible und preiswerte Automatisierung bei ungewissem Teilespektrum – die Zelle ist bei den verschiedensten Werkzeugmaschinen einsetzbar. Einschränkung ist die beschränkte Magazinkapazität.

Eine standard Roboterzelle von Pomot: Beispiel für flexible und preiswerte...

Herr DI Pesendorfer, besteht bei der Automatisierung von Maschinen in Österreich Nachholbedarf?

Nein, absolut nicht. Österreich liegt bei der Automatisierung von Werkzeugmaschinen im internationalen Spitzenfeld.

Ist die Betriebsgröße für eine Automatisierung relevant?

Die Betriebsgröße ist nicht relevant, die wesentlichen Faktoren sind: Wie sieht das Teilespektrum und der Wiederholfaktor aus, gibt es in Zukunft weiterhin gleiche oder ähnliche Teile und Losgrößen. Als Richtlinie für die Losgrößen kann man sagen: Bei Drehteilen ab etwa 50 Stück, bei Frästeilen etwa ab 10 Stück.

Automatisierung ja oder nein? Wo liegen die Vorteile und Nachteile?

Bei unseren Kunden beobachten wir eine Amortisationszeit von rund zwei bis drei Jahren. Innerhalb dieser Zeit sollte sich die Automatisierungslösung rentiert haben. Danach sind die Kosten pro Teil für die Beladung praktisch null
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DI Hubert Pesendorfer, GF Promot Automation GmbH

DI Hubert Pesendorfer, GF Promot Automation GmbH

— also ein klarer Vorteil für die Betriebe, die rechtzeitig und stufenweise in Automatisierung investieren.

Wie und wo sollte man bei einem Automatisierungsprojekt beginnen?

Am sinnvollsten finde ich es, zuerst mit einer kleinen oder leichten Aufgabe zu beginnen, anhand einer Maschine praktische Erfahrungen sammeln, um damit kleine Erfolge verbuchen zu können. Dann kontinuierlich Schritt für Schritt ein Projekt weiterverfolgen und das große Ziel immer vor Augen haben. Wer sofort alles 100prozentig lösen will, dem wird das Projekt zu komplex, erreicht eventuell die ursprünglichen Ziele nicht und es treten Frustrationserlebnisse ein.

Welche Produkte und Lösungskompetenz können Sie einem Kunden anbieten?

Seit vielen Jahren realisieren wir erfolgreich vielfältige Automatisierungsprojekte und können hier gewisse Erfahrungswerte einbringen. Vor allem bieten wir sehr wirtschaftliche Lösungen an, da unsere Anlagen zu 95 % aus flexibel anpassbaren Baukastenteilen und zu 5 % aus Sonderanfertigungen bestehen. Wir realisieren komplette Systeme bestehend aus Grundgestell, Bewegungsmodulen, Greiftechnik, Magazinierung, Zusatzstationen, Elektrik, Steuerung sowie Software.

Die Basis
unserer Produktpalette ist einer der sicherlich umfangreichsten und vielfältigsten Modulbaukästen für Portalroboter und Roboterzellen am Markt. Um die Vielfalt der Anwendungsfälle zweckmäßig lösen zu können, haben wir aufbauend auf unseren Modulbaukasten ein breit gefächertes Produktportfolio entwickelt wie Portalroboter, Roboterzellen mit Knickarmroboter, Verkettungen von Produktionslinien, Umstapelzellen, Paletten- und Blechteilehandling, Softwareapplikationen und Dienstleistungen.

In welcher Höhe sehen Sie die Anfangsinvestitionsvolumen? Wann rechnet sich Automatisierung?

Die Anfangsinvestition bei herkömmlichen Werkzeugmaschinen beginnt bei einer Roboterautomatisierung ab 60.000 Euro und bei einem Stangenlader ab 15.000 Euro. Automatisierung rechnet sich sinnvollerweise dann, wenn sich die Kosten pro Teil so deutlich reduzieren lassen, dass sich das getätigte Investment nach etwa zwei bis drei Jahren rechnet. Es zählen die Kosten pro Teil — das heißt die Kosten pro Teil für Personal und Maschine müssen mehr sinken als die Kosten für Automatisierung ausmachen. Wenn man das für seinen eigenen Betreib durchdenkt, kommt man schnell zu der Schlussfolgerung, dass die Arbeitsabläufe, das Schichtmodell, die Art der Mehrmaschinenbedienung einen ebenso hohen Einfluss auf die Kostenreduktion haben wie das clevere Roboterkonzept selber. Ohne einen organisatorischen Gesamtplan sinken nämlich die Personalkosten pro Teil zu wenig und die Maschinennutzung steigt nicht ausreichend.

Wenn es ans Rechnen geht, muss man auch folgende Frage stellen: Wie genau kenne ich meine zukünftige Auslastung und Auftragssituation sowie welches Teilespektrum kommt auf mich zu. Ist die Zukunftseinschätzung stabil, rechnet sich eine komplexe, teurere Automatisierung, sind diese Faktoren ungewisser, muss die Roboterzelle flexibler und preiswerter sein.

Wo empfiehlt sich die Automatisierung von Einzelmaschinen und wo die verkettete Automatisierung von Maschinen?

Der klare Megatrend geht zur Automatisierung von Einzelmaschinen, weil die Auslastungsplanung und Optimierung deutlich einfacher ist. Verkettungen setzen unsere Kunden hauptsächlich dort ein, wo sie sicher sind, dass sich die Fertigungstechnologie in den nächsten Jahren kaum ändern wird und die Taktzeiten zusammenpassen. Ein Beispiel ist die Fertigung von Alu-Felgen, da gibt es aktuell gewisse technologische Grenzen, etwa bei Schnittwerten oder Maschinendrehzahlen — da ist Verkettung sinnvoll. Wenn es allerdings Technologiesprünge gibt, wo zum Beispiel aufgrund neuer Maschinen einzelne Zerspanungszeiten deutlich sinken, muss man die Verkettung auflösen und den gesamten Fertigungsablauf an die neue Situation anpassen.

Wann und wo hat es definitiv keinen Sinn zu automatisieren?

Also generell gesagt befreit die Automatisierung einen Betrieb sicher nicht bedingungslos von all seinen Produktionssorgen, da gibt es Grenzen. Automatisierung muss man sich gut überlegen: Nicht sehr sinnvoll ist es etwa, bei ausschließlich sehr kleinen Losgrößen oder geometrisch hoch komplexen und extrem großen und schweren Teilen. Dort ist dann einfach der Aufwand zu hoch, das Investment wird teuer. Trotzdem kann sich gerade unter den aktuellen Rahmenbedingungen Automatisierung durchaus lohnen, wenn es zum Beispiel gelingt teure Schichten ganz einzusparen. Grundsätzlich gilt: Es zählen die Kosten pro Teil, das heißt die Kosten pro Teil für Personal und Maschine müssen mehr sinken als die Kosten für Automatisierung ausmachen.
Eine standard Roboterzelle von Pomot: Beispiel für flexible und preiswerte Automatisierung bei ungewissem Teilespektrum – die Zelle ist bei den verschiedensten Werkzeugmaschinen einsetzbar. Einschränkung ist die beschränkte Magazinkapazität.
DI Hubert Pesendorfer, GF Promot Automation GmbH


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