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Flexibilität auf kleinstem Raum

: Juaristi


Für die Herstellung von Prüf- und Testgeräten für Flugzeuge benötigt man bei der Niederösterreichischen Test-Fuchs GmbH flexible Maschinenkonzepte. Deutlich wird dies auch beim neuen Juaristi-Bohrwerk, das trotz geringem Platzbedarf ein Höchstmaß an Bearbeitungsmöglichkeiten, auch für große Werkstücke bietet. Autor: Georg Schöpf / x-technik

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Trotz der ansehnlichen Verfahrwege nimmt die TXS1 erstaunlich wenig Grundfläche in Anspruch. Das Layout wurde an die örtlichen Gegebenheiten angepasst, dadurch fügt sich die Maschine optimal ins Hallenkonzept ein.

Trotz der ansehnlichen Verfahrwege nimmt die TXS1 erstaunlich wenig Grundfläche...

Im Februar 1946 gründete Ing. Fritz Fuchs im Niederösterreichischen Groß Siegharts, nahe der tschechischen Grenze die Firma Fuchs & Ledl und führte mit zwei Mitarbeitern Reparaturen an elektrischen Maschinen aller Art durch. Mit der Verbesserung der allgemeinen Wirtschaftslage gehen die Reparaturaufträge zurück und Fritz Fuchs verlegte schon Anfang der 50er Jahre die Haupttätigkeit der Firma auf den Prüfgerätebau, zunächst im KFZ-Bereich. Die Umbenennung in Test-Fuchs war daher ein logischer Schritt. Anfang der 60er, parallel zum Aufbau der deutschen Luftfahrtindustrie, begann das Unternehmen Prüfgeräte für die Luftfahrt zu entwickeln und herzustellen und konnte sich auf diesem Gebiet als einer der führenden Hersteller einen Namen machen.

Im Prüfanlagenbau etabliert, wurde 1986 eine eigene Abteilung für die Instandhaltung von Luftfahrzeugkomponenten eingerichtet, aus der schließlich der Bereich Test-Fuchs Aerospace hervorging. Mit einem Projekt im Bereich Tiefsttemperaturventile für die europäische Trägerrakete ARIANE 5 entwickelte sich eine eigenständige Abteilung, in der heute Raumfahrtkomponenten für Trägerraketensysteme und Satelliten entwickelt, hergestellt und geprüft werden.

Seit 1995 entwickelt und produziert Test-Fuchs auch Kraftstoff-, Hydraulik- und Schmierölkomponenten und -systeme für Flugzeuge und Hubschrauber. Das Familienunternehmen wird heute in dritter Generation von Ing. Volker Fuchs erfolgreich geleitet. „Mit zahlreichen Niederlassungen im Ausland und einer Belegschaft von über 400 Mitarbeitern bewältigt Test-Fuchs heute eine enorme Fertigungstiefe bei einem Exportanteil von rund 98 %“, betont der Geschäftsführer.

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Wesentlicher Verwendungsbereich für das neue Bohrwerk ist aktuell die Herstellung von Komponenten wie Hydraulik- und Ventilblöcke. Der Anwendungsbereich wird in Zukunft sicherlich noch ausgeweitet.

Wesentlicher Verwendungsbereich für das neue Bohrwerk ist aktuell die Herstellung...

Flexibilität gefordert

Im Zuge einer Hallenerweiterung im Jahr 2012 wurde auch eine umfangreiche Investition auf dem Maschinensektor geplant. „Die besondere Herausforderung liegt in der hohen Nutzungsdauer, der von uns hergestellten Anlagen und Geräte, von teilweise bis zu 30 Jahren. Im Servicefall wird manchmal ein kurzfristiges Überarbeiten bestehender Komponenten notwendig. Ein neues Bohrwerk sollte deswegen auch allen Anforderungen von Fräsbearbeitungen gerecht werden, um flexibel auf derartige Fälle regieren zu können“, schildert Robert Schlosser, Leiter mechanische Fertigung bei Test-Fuchs deren Überlegungen. „Der Zeitpunkt für die Investition war wohlüberlegt. Konnten wir doch im Zuge des Hallenneubaus direkt die Fundamentlage des neuen Bohrwerks berücksichtigen“, so Schlosser weiter.

Bei der Evaluierung wurde bewusst eine große Bandbreite an möglichen Maschinenkonzepten mit einbezogen. „Wir haben uns, von ganz einfachen konventionellen Bohrwerken bis zu komplexen CNC-Bearbeitungszentren, vieles angeschaut“, beschreibt der Fertigungsleiter den Auswahlprozess. „Dass schließlich die TX1S-MG6 von Juaristi das Rennen gemacht hat, sehen wir klar in der flexiblen Einsatzmöglichkeit, auch auf eine lange Nutzungsdauer hinaus, und einem stimmigen Preis-Leistungs-Verhältnis“, ergänzt Volker Fuchs. Juaristi hat seinen Hauptsitz in Azkoitia in Nordspanien und wird in Österreich durch die Firma TTS Fertigungstechnologien GmbH aus Unterach am Attersee vertreten.

Maschinenkonzept entspricht den Vorgaben

Einer der größten Vorteile der TX-Baureihe ist der zentrale Spindelstock. „Die
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TX1S-MG6 verfügt über eine komplett symmetrische Struktur und der Spindelstock ist im Maschinenständer geführt. Dadurch ergeben sich höchste Stabilität und Genauigkeit, denn die bei der Bearbeitung entstehenden Kräfte werden symmetrisch und gleichmäßig in den Maschinenständer abgeleitet“, erklärt Gerald Marx-Fraissl, Geschäftsführer bei TTS. Durch die symmetrische Struktur findet keinerlei seitliche Deformation und keine einseitige thermische Belastung statt. „Auch eine einseitige Erwärmung durch die Reibung und Erwärmung der Führungsbahnen wird vermieden“, ergänzt er. Die Baureihe bietet über vier vertikale Führungen (Anm.: zwei an der Ständervorderseite bzw. zwei an der Ständerrückseite) eine gleichmäßige Gewichtsbelastung, um ein Abkippen des Spindelkastens zu verhindern. Die Linearachsen der TX-Maschinen werden mittels Präzisions-Kugelgewindeantrieben mit direkt angeflanschten Motoren angetrieben. Durch dieses stabile System wird auch die Dynamik der Maschine erhöht.

Mit Verfahrwegen von x = 2.000 mm, y = 1.500 mm, z = 1.500 mm und einem zusätzlichen Pinolenverfahrweg von w = 600 mm verfügt die TX1S über einen großen Bearbeitungsbereich bei vergleichsweise geringer Standfläche. Der eingesetzte MG6 Rundtisch hat eine Beladungskapazität von 6,0 t bei einer Tischoberfläche von 1.250 mm x 1.600 mm. Um in der Bearbeitung möglichst flexibel zu sein, können im ATC120 HSK 100 Werkzeugwechsler bis zu 120 Werkzeuge vorgehalten werden. Mit einer Spindelleistung von 58 kW ist auch die Bearbeitung von hochfesten Werkstoffen kein Problem für das Bohrwerk.

Anpassungswünsche berücksichtigt

Änderungswünsche und nötige Anpassungen wurden durch TTS Fertigungstechnologien durchgeführt. „Dass wir dadurch einen
wichtigen Beitrag zur Entscheidung für die TX1S leisten konnten, freut uns besonders“, so Gerald Marx-Fraissl. So wurde beispielsweise die Montage der 5. Achse über ein Nullpunkt-Spannsystem realisiert, womit die Rüstzeit auf 15 Minuten reduziert werden konnte. Hochwertige Cogsdill Ausdrehwerkzeuge, die über die Pinole mechanisch angetrieben und verstellt werden können und eine auf die Bedürfnisse bei Test-Fuchs angepasste Heidenhain iTNC530 HSCI 18“ Steuerung, in Verbindung mit einem Renishaw RMP 60 Spindelmeßtaster und Blum micro Laser-Werkzeugvermessung sowie einer IKZ (wahlweise steuerbar mit KSS und Druckluft), einem Unterflur KSS-Aggregat, einer Sondereinhausung, einer Vorbereitung für eine steuerbaren hochwertigen Fräskopf und eine Späneentsorgung über drei Späneförderer runden das Gesamtpaket ab.



„Das ergonomische Bedienpult wurde von uns geplant und teilweise, wie beispielsweise der Bedienarm, auch bei uns im Hause selbst gefertigt. Der Umbau wurde schließlich zusammen mit den TTS-Technikern durchgeführt“, so Robert. „Service hat für uns den gleichen Stellenwert wie Ausstattung und Funktion. So war für uns das Gesamtpaket unterm Strich mehr Wert, als die getätigte Investition“, ergänzt Volker Fuchs abschließend.

Trotz der ansehnlichen Verfahrwege nimmt die TXS1 erstaunlich wenig Grundfläche in Anspruch. Das Layout wurde an die örtlichen Gegebenheiten angepasst, dadurch fügt sich die Maschine optimal ins Hallenkonzept ein.
Wesentlicher Verwendungsbereich für das neue Bohrwerk ist aktuell die Herstellung von Komponenten wie Hydraulik- und Ventilblöcke. Der Anwendungsbereich wird in Zukunft sicherlich noch ausgeweitet.
Auf dem 1.250 mm x 1.600 mm großen MG6-Drehtisch kann über ein Nullpunkt-Spannsystem innerhalb von 15 Minuten zusätzlich ein CNC-Rundtisch der Marke Spirsin 82660/CHV aufgespannt werden.
Mit bis zu 120 Positionen hält der ATC120 HSK 100 Werkzeugwechsler auch für umfangreiche Bearbeitungsvorgänge sämtliche erforderlichen Werkzeuge bereit.
Cogsdill Ausdrehwerkzeuge, die über die Pinole mechanisch angetrieben und verstellt werden können, ermöglichen hochpräzise Innenbearbeitungen.
Robert Schlosser, Gerald Marx-Fraissl und Roman Höbinger freuen sich über die gelungen Integration des neuen Bohrwerks.


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Bericht in folgenden Kategorien:
Bohr- und Fräswerke, Großteilebearbeitung

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