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In großen KSS-Dimensionen denken

: Lubot


Kleines Unternehmen, große Lösung: Der niederösterreichische Lohnfertiger MillCon setzt bei der Herstellung von Einbaurahmen für Displays und Touchscreens auf eine ausgeklügelte Zentralanlage zur Kühlschmierstoff-Aufbereitung. Dafür wurden – mit Unterstützung von Lubot – die Prozesse ganzheitlich optimiert, der richtige Kühlschmierstoff (KSS) modular zusammengestellt und vor allem eines: gespart. Denn es macht sich bezahlt, wenn man die eingesetzten Schmierstoffe, ihre Aufbereitung und die Fertigungsprozesse gemeinsam unter die Lupe nimmt.

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In der spanenden Fertigung ist es entscheidend, die Maschinensituation (Bearbeitung), die tribologische Situation und die Aufbereitung als vernetztes System zu betrachten. (Bilder: MillCon, Kastner.TV, Contentmanufaktur)

In der spanenden Fertigung ist es entscheidend, die Maschinensituation (Bearbeitung),...

Ohne Displays und den nötigen Fingerfertigkeiten geht im Smartphone- und Tablet-Zeitalter nichts mehr. Das gilt auch für industrielle Anwendungen, bei denen Touchscreens zur Steuerung von Anlagen nicht mehr wegzudenken sind. MillCon sorgt dabei für den richtigen Rahmen: Denn das Kremser Unternehmen hat sich auf die Produktion von Frontplatten, Einbaurahmen, Gehäuseteilen und mechanischen Komponenten für elektronische Bauelemente wie Platinen, Displays oder Folientastaturen spezialisiert.

Mit einer Werkzeugmaschine hat MillCon begonnen, bald darauf waren es vier. Und bei jeder stand man vor demselben Problem: Das Kühlmittel, das immer per Hand nachgefüllt werden musste, ging regelmäßig über. Hinzu kamen die hohen Temperaturen in der Halle: „Der alte Kühlschmierstoff hat über Nacht manchmal die Konsistenz von Joghurt bekommen“, erklärt Ing. Jürgen Hameseder, Geschäftsführer der MillCon GmbH. Dann standen Auspumpen und Reinigen auf dem Programm. Bis zu zwei Tage unliebsame Stehzeit waren die Folge. Zudem wurde eine externe Firma mit der regelmäßigen Reinigung beauftragt – noch mehr Kosten.

Coole Truppe

In der Not war das MillCon-Team einfallsreich: So wurde kurzerhand ein Bierkühler umgebaut, um den Kühlschmierstoff auf konstanter Temperatur zu halten. „Der Kühler war jedoch zu klein. Dann hat der KSS Schaum geschlagen, weil die Pumpen nicht richtig eingestellt waren und der Schmierstoff einfach der falsche war“, erinnert sich Hameseder. So holten die Experten von MillCon Harald Mali, Verfahrenstechnik-Experte und Geschäftsführer von Lubot, ins tribologische (Rettungs-)Boot, um eine nachhaltige, zukunftsträchtige
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Das Spannungsdreieck der mechanischen Fertigung ist entscheidend für die Standzeit des KSS. Nur, wenn alle Faktoren perfekt zusammenspielen und alle vor- und nachgelagerten Schnittstellen berücksichtigt werden, ist das angestrebte Optimum in puncto Qualität und Wirtschaftlichkeit in greifbarer Nähe.

Das Spannungsdreieck der mechanischen Fertigung ist entscheidend für die Standzeit...

Lösung zu entwickeln. „Herr Mali hat aus der Sicht eines Chemikers mit viel Fertigungserfahrung unsere Prozesse betrachtet, die richtigen Fragen gestellt und alles im Detail analysiert. Das Ziel war es, eine weitgehend konstante Kühlmitteltemperatur und -qualität zu erreichen und dabei noch die Effizienz zu steigern“, erklärt Hameseder. Mit diesem Auftrag hat Harald Mali ein umfassendes Konzept zur Optimierung erstellt und aufgezeigt, wo es Hand anzulegen gilt.

Das Spannungsdreieck der mechanischen Fertigung

In der Tribologie reicht es meist nicht, lediglich an einer Schraube zu drehen. Alleine der Einsatz eines anderen Kühlschmierstoffs ist daher auf lange Sicht kaum die Lösung. „Es gilt ganzheitlich und in Zusammenhängen zu denken. Vom Kühlen, Schmieren, der Chemie und Reinigung bis zu den eingesetzten Technologien muss man das komplette System bereichsübergreifend und von A bis Z unter die Lupe nehmen“, erklärt Prozessoptimierer Mali und verweist auf das „Spannungsdreieck der mechanischen Fertigung“, das drei Eckpunkte vereint: die Maschinensituation (Bearbeitung), die tribologische Situation und die Aufbereitung, also die angewandte Verfahrenstechnik. Das ist entscheidend für die Standzeit des KSS. Nur, wenn alle Faktoren perfekt zusammenspielen und alle vor- und nachgelagerten Schnittstellen berücksichtigt werden, ist das angestrebte Optimum in puncto Qualität und Wirtschaftlichkeit in greifbarer Nähe.

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Ein wichtiger Baustein der zentralen Aufbereitungslösung war der Einsatz eines flexiblen Zwei-Komponenten Kühlschmierstoffs. Zum Einsatz kommt dabei Hycut von Oemeta.

Ein wichtiger Baustein der zentralen Aufbereitungslösung war der Einsatz eines...

Zentrale Versorgung mit vielen Vorteilen

Das Ergebnis der umfassenden technisch-chemischen Feineinstellung war eine wichtige Investition in die Zukunft: „Wir haben die Einzelmaschinen in puncto KSS-Aufbereitung vernetzt und setzen jetzt auf eine Lubot-Versorgungsanlage, die wir gemeinsam konzipiert und umgesetzt haben“, schildert Hameseder. „Das vereinfacht die KSS-Aufbereitung bzw. die Instandhaltung und sorgt längerfristig unterm Strich für spürbare Einsparungen.“

Die neue Zentralanlage bietet gleich mehrere Vorteile. So können zum Beispiel alle Abwässer aus der nachgeschalteten Reinigungsanlage in die KSS-Zentralanlage rückgeführt werden. „Der gesamte ausgeschleppte Kühlschmierstoff kommt wieder in den Produktionsprozess. Somit werden 100 % der sonst anfallenden Abwässer aus der Reinigung eingespart. Zudem kann der Reiniger ebenfalls rückgeführt werden, dann wieder als Kühlschmierstoff-Additiv im Baukastensystem fungieren und bleibt im Reinigungsbad in seiner Qualität immer konstant“, geht Mali ins Detail.

Ein KSS – verschiedenste Anwendungen

Ein wichtiger Baustein dieser Lösung ist der Einsatz des flexiblen Zwei-Komponenten Kühlschmierstoffs von Oemeta, der ideal für innovative Prozesse und Zentralanlagen ist. Das Oemeta Hycut System beruht auf reiner Esterbasis und ist somit frei von Mineralölen. Die Hycut Bausteine sind als Bearbeitungsöl, Kühlschmierstoff oder Reiniger eingesetzt untereinander kompatibel, damit kann zum Beispiel die Zwischenreinigung zwischen Öl
und KSS Bearbeitung eingespart werden. Der Schmierstoffanteil, der für die Bearbeitung relevant ist, und der Chemieanteil der Additiv Komponente sind somit unabhängig voneinander steuerbar. Der Mix kann individuell an verschiedene Bearbeitungsschritte und -technologien angepasst werden. „Für uns brachte das mehr Konstanz, eine nicht begrenzte Lebensdauer des KSS und mehr Flexibilität, da wir nun verschiedenste Anwendungen mit einem Kühlschmierstoff abdecken können und der dann wieder zentral aufbereitet wird“, so Hameseder.

Vorbild Automobilindustrie

Mit dieser zentralen Versorgung und Aufbereitung zählt MillCon zu den Vorreitern unter den Lohnfertigern, wird das Konzept bisher doch meist eher bei sehr großen Unternehmen – zum Beispiel in der Automobilindustrie – eingesetzt. Kleinere Unternehmen sind aufgrund des Investitionsbedarfs oft abgeschreckt, wie Prozessoptimierer Mali von Lubot weiß. Befürchtungen, die Hameseder mit nachhaltigen Argumenten ausräumt: „Wir konnten unsere Werkstückqualität merklich erhöhen, da es keine Temperaturdrift mehr gibt. Wir haben weniger Korrekturen und Ausschuss, deutlich weniger Stehzeiten, dafür aber unbegrenzte Standzeiten des KSS und keinen Gestank in der Halle, zudem viel mehr Ressourcen und weniger Kosten. Die Investitionen rechnen sich daher schon binnen weniger Jahre. Für uns war das also eindeutig die richtige Entscheidung.“


In der spanenden Fertigung ist es entscheidend, die Maschinensituation (Bearbeitung), die tribologische Situation und die Aufbereitung als vernetztes System zu betrachten. (Bilder: MillCon, Kastner.TV, Contentmanufaktur)
Das Spannungsdreieck der mechanischen Fertigung ist entscheidend für die Standzeit des KSS. Nur, wenn alle Faktoren perfekt zusammenspielen und alle vor- und nachgelagerten Schnittstellen berücksichtigt werden, ist das angestrebte Optimum in puncto Qualität und Wirtschaftlichkeit in greifbarer Nähe.
Ein wichtiger Baustein der zentralen Aufbereitungslösung war der Einsatz eines flexiblen Zwei-Komponenten Kühlschmierstoffs. Zum Einsatz kommt dabei Hycut von Oemeta.
Große Qualität auch bei kleineren Serien: MillCon fertigt Frontplatten, Einbaurahmen, Gehäuseteile und mechanische Komponenten für elektronische Bauelemente.
Ing. Jürgen Hameseder (links), Geschäftsführer von MillCon und Harald Mali, Verfahrenstechnik-Experte und Geschäftsführer von Lubot.



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Schmierung/Kühlung, Kühl-Schmierstoffe

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