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Just-in-time vermittelt

: Gindumac


Ende 2018 sah sich Alfred Dobler, der bei der Otto Bock Healthcare Products GmbH neben dem Gebäudemanagement auch so manches Spezial-Projekt leitet, mit einer besonderen „Challenge“ konfrontiert: Mit der Übersiedlung der damals noch im siebten Wiener Gemeindebezirk beheimateten Forschungs- und Entwicklungsabteilung in Richtung Unternehmenszentrale. Dabei waren innerhalb eines extrem knapp bemessenen Zeitfensters nicht nur 200 Arbeitsplätze, sondern auch zahleiche Maschinen zu bewegen. Jene, die am neuen Standort nicht mehr benötigt wurden, fanden mithilfe von Gindumac „just-in-time“ neue Besitzer. Von Sandra Winter, x-technik

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Fast wie neu: Diese Fehlmann-Maschine kam auf extrem wenig Betriebsstunden, weil sie im Musterbau nur für Kleinserien eingesetzt wurde.

Fast wie neu: Diese Fehlmann-Maschine kam auf extrem wenig Betriebsstunden,...

Das im Jahre 2016 von Janek Andre und Benedikt Ruf gegründete Unternehmen Gindumac (Abkürzung für Global Industrial Machinery Cluster) tritt als „Vermittler“ zwischen produzierenden Betrieben auf. Vermittelt werden gebrauchte Maschinen, wobei der Fokus auf Werkzeug-, Blechbearbeitungs- und Kunststoffverarbeitungsmaschinen sowie Robotik liegt. Ein Service, den auch die Otto Bock Healthcare Products GmbH sehr zu schätzen lernte, als sie im Rahmen eines Übersiedlungsprojekts neue Besitzer für elf bestens erhaltene, aber am neuen Standort nicht mehr benötigte Maschinen suchte. „Der Großteil unserer Belegschaft ist bereits 2012 in unser neues Gebäude in Wien Simmering umgezogen. Nur die Forschungs- und Entwicklungsabteilung blieb damals am ursprünglichen Firmensitz in Wien Neubau zurück. Um den Kommunikationsfluss zwischen Entwicklung und Produktion zu vereinfachen, sollte diese dann ein paar Jahre später in die Brehmstraße ‚nachgeholt‘ werden“, erzählt Alfred Dobler, wie es dazu kam, dass rund um den Jahreswechsel 2018 nicht nur 200 Arbeitsplätze, sondern auch zahlreiche Maschinen zu bewegen waren. Für den Musterbau hatte man nämlich in der Kaiserstraße einiges an hochkarätigem Equipment zur Verfügung – u. a. zahlreiche Fräs-, Dreh- und Spritzgießmaschinen namhafter Hersteller.

Zeitliche Punktlandungen gefordert

Im Zuge von Übersiedlungsprojekten wird meist auch ausgemustert. Bei Ottobock waren es in Summe nahezu 50 Maschinen, für die es am neuen Standort durch die Zusammenlegung von Musterbau und Produktion keine Verwendung mehr gab – darunter auch jene elf „Prachtexemplare“, für die Gindumac, innerhalb kürzester Zeit neue Besitzer finden sollte. „Ich hätte diese Maschinen nicht über eine Art ‚Willhaben-Plattform‘ für die Industrie anbieten können, weil diese zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeholt werden mussten
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Fast alle Maschinen, die aus dem Hause Ottobock stammten, wurden „blind“ gekauft, also ohne diese vorher in natura zu sehen – darunter auch diese Hermle Universalfräsmaschine.

Fast alle Maschinen, die aus dem Hause Ottobock stammten, wurden „blind“...

– und zwar nicht nur am Tag X, sondern auch zur Stunde X, weil nur da entsprechende Teleskopstapler zur Verfügung standen. Außerdem konnten die dafür erforderlichen Ladezonen in der Kaiserstraße – einer viel befahrenen Straße, in der auch eine Straßenbahnlinie verkehrt – lediglich für ein knapp bemessenes Zeitfenster reserviert werden“, beschreibt Alfred Dobler, warum bei der Räumung der alten Ottobock-Niederlassung alles just-in-time zu erfolgen hatte. „Ich benötigte demnach einen Projektpartner, der mir Punktlandungen garantierte“, präzisiert der Mann, der für einen raschen Aus- bzw. Umzug der Forschungs- und Entwicklungsabteilung hauptverantwortlich war.

Full-Service-Logistik inklusive

Auf Gindumac wurde Alfred Dobler durch eine Empfehlung eines ehemaligen Maschinenlieferanten aufmerksam. Ein guter Tipp, wie sich gleich beim ersten Treffen mit Martin Pilz, dem für Österreich zuständigen Area Manager, herausstellen sollte: „Ich hatte sehr schnell den Eindruck, mit Herrn Pilz und seinem Unternehmen den richtigen Partner gefunden zu haben, um unser Projekt zu begleiten. Es gab kein Herumfeilschen bei den Maschinenpreisen, weil wir uns von Anfang an fair behandelt fühlten und der von uns vorgegebene strenge zeitliche Fahrplan wurde ebenfalls bestens eingehalten“, lobt Alfred Dobler.

Für die Koordination der logistischen Abläufe beschäftigt Gindumac sogar einen ausgewiesenen Spezialisten im eigenen Haus: Esteban Díaz. Er dirigiert von Barcelona aus sämtliche An- und Abtransport-Vorgänge, die bei der Vermittlung von Gebrauchtmaschinen anfallen. Schließlich bietet das Unternehmen seinen Kunden auf Wunsch auch eine Full-Service-Logistik inklusive Demontage, Verladung, Transport und Montage an. „Die Crux bei
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Die von Ottobock ausgemusterten Deckel Maschinen – eine FP4 und drei FP1 – sind nicht einmal auf dem Online-Marktplatz von Gindumac gelandet, weil so eine rege Nachfrage nach konventionellen Fräsmaschinen deutscher Machart herrscht.

Die von Ottobock ausgemusterten Deckel Maschinen – eine FP4 und drei FP1 –...

diesem Projekt war, dass wir nicht nur extrem wenig Zeit hatten, um interessierte Abnehmer für diese insgesamt elf Maschinen zu finden, sondern dass diese auch noch mit einer ziemlich prompten Lieferung einverstanden sein mussten. Denn viel Zeit, um in den Produktionshallen entsprechend Platz zu schaffen, blieb diesen nicht“, erinnert sich Martin Pilz.

Letztendlich wurden ihm die von Ottobock ausgemusterten Maschinen förmlich aus der Hand gerissen: „Die Deckel Maschinen – eine FP4 und drei FP1 – sind nicht einmal auf unserem Online-Marktplatz gelandet, weil so eine rege Nachfrage nach konventionellen Fräsmaschinen deutscher Machart herrscht. Es gibt immer mehr Firmen, die bei uns einen entsprechenden Bedarf anmelden“, verrät der Area Manager Austria bei Gindumac.

Geprüfte Qualität

Bis auf eine Maschine wurden alle, die aus dem Hause Ottobock stammten, „blind“ gekauft, also ohne diese vorher in natura zu sehen. „Einerseits orientieren sich unsere Kunden zunehmend an den hochaufgelösten Bildern und Anwendungsvideos, die wir zu den einzelnen Maschinen auf unsere Website stellen, andererseits wissen einige bereits aus eigener Erfahrung, dass wir nur Gebrauchtmaschinen an- bzw. verkaufen, die gut gepflegt, voll funktionstüchtig und nach strengen Qualitätskriterien geprüft sind“, streicht Martin Pilz hervor und der gelernte Werkzeugmacher fügt ergänzend hinzu: „Abgesehen vom optischen Eindruck sind es vor allem diverse Geräusche, aus denen sich einiges über den tatsächlichen Zustand einer Maschine ableiten lässt. Wie klingt sie in Bewegung? Läuft die Spindel rund bzw. hört sich diese ‚okay‘ an? In Summe
kann man viele Befindlichkeiten raushören.“

Bei Ottobock fand Martin Pilz laut eigenen Angaben geradezu paradiesische Verhältnisse vor: „Diese Maschinen waren fast wie neu“, bestätigt er. Außerdem handelte es sich um deutsche sowie Schweizer Markenprodukte. „Diese Maschinen kamen auf extrem wenig Betriebsstunden, weil sie im Musterbau nur für Kleinserien zum Einsatz kamen. Ihr Auslastungsgrad betrug ca. 10 %, meist sind sie demnach stillgestanden. Trotzdem wurden sie täglich geölt, geputzt und spänefrei sauber gehalten, so wie es bei all unseren Maschinen Usus ist“, gibt Alfred Dobler einen kleinen Einblick, wie sorgfältig bei einem renommierten Medizintechnikunternehmen, das bereits seit der Firmengründung im Jahre 1919 eine weltweit führende Stellung in der Prothetik einnimmt, hinter den Kulissen gearbeitet wird.

Sorgfältig gearbeitet wurde aber auch von Gindumac, wie der erfahrene Gebäudemanager und Projektleiter abschließend bestätigt: „Es wurde alles zu unserer vollsten Zufriedenheit umgesetzt – just-in-time und höchst professionell.“

Fast wie neu: Diese Fehlmann-Maschine kam auf extrem wenig Betriebsstunden, weil sie im Musterbau nur für Kleinserien eingesetzt wurde.
Fast alle Maschinen, die aus dem Hause Ottobock stammten, wurden „blind“ gekauft, also ohne diese vorher in natura zu sehen – darunter auch diese Hermle Universalfräsmaschine.
Die von Ottobock ausgemusterten Deckel Maschinen – eine FP4 und drei FP1 – sind nicht einmal auf dem Online-Marktplatz von Gindumac gelandet, weil so eine rege Nachfrage nach konventionellen Fräsmaschinen deutscher Machart herrscht.
Die von Ottobock ausgemusterten Deckel Maschinen – eine FP4 und drei FP1 – sind nicht einmal auf dem Online-Marktplatz von Gindumac gelandet, weil so eine rege Nachfrage nach konventionellen Fräsmaschinen deutscher Machart herrscht.
Arbeiteten gut und gerne zusammen: v. l. Alfred Dobler, der bei der Otto Bock Healthcare Products GmbH neben dem Gebäudemanagement auch so manches Spezial-Projekt leitet und Martin Pilz, Area Manager Austria bei Gindumac.
Für den Musterbau hatte Ottobock in der Kaiserstraße einiges an hochkarätigem Equipment zur Verfügung – u. a. zahlreiche Fräs-, Dreh- und Spritzgießmaschinen namhafter Hersteller.
Arbeiteten gut und gerne zusammen: v. l. Alfred Dobler, der bei der Otto Bock Healthcare Products GmbH neben dem Gebäudemanagement auch so manches Spezial-Projekt leitet und Martin Pilz, Area Manager Austria bei Gindumac.


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