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Qualität gewinnt: Interview mit Andreas Haimer

: Haimer


Andreas Haimer, Sohn der Firmengründer Claudia und Franz Haimer, ist seit 2014 Geschäftsführer und President des familiengeführten Unternehmens Haimer. Im Interview erzählt uns Herr Haimer, warum ihm die Unternehmensphilosophie so wichtig ist, Igenhausen der perfekte Standort ist und welchen Stellenwert der österreichische Markt für Haimer hat. Das Gespräch führte Christof Lampert, x-technik

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Zum Haimer-Produktprogramm zählen Werkzeugaufnahmen in allen gängigen Schnittstellen und Längen, Schneidwerkzeuge aus Vollhartmetall, Maschinen im Bereich der Schrumpf- und Auswuchttechnik sowie 3D-Messgeräte und Werkzeugvoreinstellgeräte.

Zum Haimer-Produktprogramm zählen Werkzeugaufnahmen in allen gängigen Schnittstellen...

Herr Haimer, die Haimer GmbH ist ein familiengeführtes, mittelständisches Unternehmen und hat sich zu einem Global Player entwickelt. Wie sehen Sie Haimer heute am Markt positioniert?

Wir hatten die letzten Jahre bei Haimer ein sehr starkes Wachstum, alleine in den letzten fünf Jahren haben wir uns mehr als verdoppelt. Mittlerweile verfügen wir über 16 Auslandsniederlassungen und sind weltweit aktiv. Dadurch können wir auch unseren Kunden einen erstklassigen Service und Support in lokaler Landessprache anbieten. Das kommt bei unseren Kunden sehr gut an und ist auch wichtig, wenn man mit Gesamtlösungen am Markt ist. Also denke ich schon, dass wir uns heute sehr gut positioniert und auch ideale Voraussetzungen für weiteres Wachstum geschaffen haben.

Im Zentrum der Unternehmensphilosophie von Haimer steht das Streben nach höchster Präzision und Qualität. Wie erreichen Sie dieses Ziel?

Unsere Philosophie ist „Qualität gewinnt“. Das ist kein Marketingslogan, sondern wirklich gelebte Unternehmensphilosophie. Das zieht sich durch die gesamte Prozesskette und ist ein ständiger, kontinuierlicher Verbesserungsprozess, der bei uns in jedem Bereich gelebt wird. Sie können nur mit Qualität marktfähig sein. Diese Qualität fängt bei uns bereits in der Ausbildung an – im Moment haben wir 50 Auszubildende – und sie zieht sich wie ein roter Faden durch alle Bereiche durch, von der Entwicklung, Konstruktion, Produktion bis hin zum Service.

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Eine wichtige Basis für weiteres Wachstum legt das zusätzliche Produktionswerk in Motzenhofen, nur wenige Kilometer vom Stammsitz entfernt.

Eine wichtige Basis für weiteres Wachstum legt das zusätzliche Produktionswerk...

50 Auszubildende, Igenhausen ist ja nicht gerade eine Metropole? Ist es schwierig, Fachpersonal zu bekommen?

Natürlich ist der Fachkräftemangel in aller Munde. Aber wir haben hier bei Haimer schon vor gut 10 Jahren mit der Organisation von Berufsinformationstagen begonnen, pflegen viele Schulpartnerschaften und sind als attraktiver Ausbildungsbetrieb seit Firmengründung auch sehr gut verankert. Igenhausen ist sicher keine Metropole. Aber für uns ist Augsburg gleich um die Ecke, dadurch gewinnt dieser ländliche Raum bei jungen Familien und Fachkräften immer mehr an Attraktivität. Somit sind wir mit unserem Standort Igenhausen ganz zufrieden.

Durch den Kauf der Microset Werkzeugvoreinstelltechnik haben Sie Ihr Portfolio nochmals erweitert. Kann man jetzt von einem durchgängigen Systemangebot sprechen und wenn ja, welche Vorteile ergeben sich daraus für den Kunden?

Der Kauf von Microset war ein wichtiger und richtiger Schritt für unser Unternehmen. Wir können jetzt tatsächlich von einem durchgängigen Systemangebot sprechen. Sie können mit uns einen kompletten Werkzeugeinstellraum mit Voreinstellen, Schrumpfen, Wuchten, Hardware zur Werkzeuglogistik sowie Spann- und Frästechnik ausstatten und der Kunde hat dabei den Riesenvorteil, dass er für Service und Wartung nur einen Ansprechpartner braucht. Er hat einen Ansprechpartner, egal für welches Problem und wir können ihm alles aus einer Hand bieten.

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Andreas Haimer möchte sich mit dem neuen Werkzeugmanagementsystem DAC an eine große Zielgruppe richten: „Mit dem DAC wollen wir die Digitalisierung im Werkzeugmanagement auch für klein- und mittelständische Unternehmen umsetzbar machen.“

Andreas Haimer möchte sich mit dem neuen Werkzeugmanagementsystem DAC an eine...

Industrie 4.0. Wie sind Sie hier aufgestellt und welchen Stellenwert hat für Sie die Digitalisierung?

Wir verstehen unter Industrie 4.0 die konsequente Implementierung digitaler Möglichkeiten zur Optimierung der Fertigung und Prozesse. Wir wollen das digitale Serviceangebot für unsere Kunden erweitern, z.B. entsprechende Werkzeugdaten auf unserer Webseite zur Verfügung stellen, eine digitale Toolmanagementlösung wie den Haimer Data Analyzer und Controller integrieren und so serienmäßig einen digitalen Workflow ermöglichen. Des Weiteren werden wir produktseitig über das gesamte Systemangebot vom Wuchten, Schrumpfen, Voreinstellen bis hin zu den Werkzeugaufnahmen und Werkzeugen weitere Softwarelösungen anbieten. Wir implementieren und optimieren natürlich auch unsere eigene Fertigung. So haben wir z.B. unseren Bereich des Qualitätsmanagements digital ausgebaut und verfügen über eine doppelte 100 % Kontrolle – papierlos, automatisch dokumentiert und auch gespeichert. Das ist nur ein Beispiel von ganz vielen Bereichen für Industrie 4.0 bei uns. Ich glaube, das Thema Digitalisierung ist mittlerweile überall angekommen. Wir sind uns der Wichtigkeit bewusst und arbeiten hier auch mit Hochdruck an Lösungen für uns und unsere Kunden.

Sprichwort Haimer Data Analyzer und Controller. Was muss man sich darunter vorstellen?

Der Haimer Data Analyzer und Controller (DAC) ist eine Tool Management Software, die den Austausch von Soll- und Ist-Werten sowie anderer Werkzeugdaten zwischen den einzelnen Stationen im Werkzeugraum und dem Unternehmensnetzwerk herstellt und managt. Im Zusammenspiel mit RFID-Datenchips oder über QR- bzw. Data Matrix-Codes erlaubt der DAC eine eindeutige Identifikation des Werkzeugs und liefert weitere
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Die Haimer Gruppe hat sich in den letzten Jahren zum Systemanbieter für das komplette Werkzeugmanagement entwickelt. Von den rund 800 Mitarbeitern weltweit arbeiten ca. 500 am Fertigungsstandort in Igenhausen mit modernstem Maschinenpark und sehr hohem Automatisierungsgrad bei großer Fertigungstiefe. Am zweiten Haimer Produktionsstandort in Bielefeld werden mit über 50 Mitarbeitern die Haimer Microset Voreinstellgeräte gebaut.

Die Haimer Gruppe hat sich in den letzten Jahren zum Systemanbieter für das...

Werkzeugdaten wie Artikelnummer, Lagerbestand, 3-D Modelle usw. Es handelt sich hier also um ein Tool Management System, welches ideal für den Klein- und Mittelbetrieb konzipiert ist. Das System ist modular aufgebaut, der Kunde kann klein anfangen und mit dem System wachsen. Es ist sehr bedienerfreundlich, der Anwender wird Schritt für Schritt geführt und kann damit die gesamte Prozesskette mit nur einer Software verwalten. Auf der EMO werden wir zeigen, wie einfach der DAC in der Fertigung umgesetzt werden kann und welche Vorteile damit verbunden sind.

Kommen wir zu einem anderen Thema – Welche Märkte würden Sie als Wachstumstreiber ansehen?

Grundsätzlich sehen wir in jedem Markt und auch in jedem Bereich noch Potential. Ein großer Wachstumstreiber für uns ist momentan der nordamerikanische Markt. Unsere Lösungen sind perfekt für den Werkzeug- und Formenbau und für den Aerospace Bereich konzipiert – hier haben wir sehr gute Lösungen und dafür ist in Amerika ein riesiger Markt. Wir sehen aber auch für Osteuropa gute Wachstumschancen und auch im österreichischen Markt können wir sicher noch weiter wachsen. Auch bei unseren neuen Produkten, z.B. bei der Voreinstelltechnik, haben wir noch Großes vor. Hier sind wir im Moment die Nummer zwei auf dem Markt. Unser Anspruch ist es allerdings, langfristig mit allen unseren Produkten führend auf dem Weltmarkt zu sein.

Apropos Österreich. Wie entwickelt sich der österreichische Markt für Haimer?

Als bayerisches Unternehmen ist natürlich unser Nachbarmarkt sehr interessant für uns und wir sehen hier ehrlich gesagt noch viel Potential. Wir sind
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Scannen des Data-Matrix Codes beim-Schrumpfvorgang.

Scannen des Data-Matrix Codes beim-Schrumpfvorgang.

gerade dabei den österreichischen Markt auszubauen. Für Anfang September konnten wir einen neuen Mitarbeiter gewinnen und wir suchen noch weitere Spezialisten in Vertrieb und Technik. Wir wollen hier ein flächendeckendes Netz an lokalen Außendienstmitarbeitern und Experten aufbauen, um unsere Kunden in Zukunft besser, schneller und aktiver betreuen zu können. Hier haben wir noch Luft nach oben und deshalb werden wir dort unseren Direktvertrieb stärken.

Können Sie uns noch einen Ausblick für das bestehende Jahr geben und welche neuen Herausforderungen Sie als Unternehmer in den nächsten Jahren zu bewältigen haben?

Nach 10 Jahren Wachstum kommen wir jetzt in eine Phase, die sicherlich anspruchsvoller wird. Wir sehen hier ganz klar den Wandel vom Wachstumswettbewerb zu einem Verdrängungswettbewerb. Dieser Herausforderung stellen wir uns und die nehmen wir auch gerne an. Trotz einer gewissen Verunsicherung am Markt sind wir in unserer Branche ja nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau. Wir liegen nach dem ersten Halbjahr auf Kurs, wenn auch mit gewissen Verschiebungen in den Produktbereichen, aber gerade dies ist wiederum eine Stärke unseres ausgewogenen Produktsortiments. Wir können durch unser einzigartiges Produktprogramm wachsen, selbst wenn der Markt stagnieren sollte. Eine Chance für unser Unternehmen sehe ich in unseren Zerspanungswerkzeugen, über die wir heute noch gar nicht gesprochen haben. Diese werden von unseren Kunden sehr gut angenommen und jetzt liegt es an uns, dieses erstklassige Produkt in die Fläche und auch in die Tiefe zu bringen.

Abschließende Frage. Welche Neuheiten zeigen Sie auf der EMO?

Unser
Schwerpunkt ist ganz klar die Digitalisierung und die Automatisierung. Wir werden in Hannover Konzepte in Hinblick auf die Digitalisierung der Werkzeugvoreinstellung, der Vernetzung und Verkettung der Systeme und natürlich auch viele neue Werkzeuge, Aufnahmen und Geometrien zeigen. Des Weiteren stellen wir Konzepte zur Automatisierung eines Werkzeugvoreinstellraumes vor. In einer Roboterzelle wollen wir aufzeigen, wie ein Werkzeugraum mannlos und prozesssicher auch in der zweiten oder dritten Schicht betrieben werden kann.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zum Haimer-Produktprogramm zählen Werkzeugaufnahmen in allen gängigen Schnittstellen und Längen, Schneidwerkzeuge aus Vollhartmetall, Maschinen im Bereich der Schrumpf- und Auswuchttechnik sowie 3D-Messgeräte und Werkzeugvoreinstellgeräte.
Eine wichtige Basis für weiteres Wachstum legt das zusätzliche Produktionswerk in Motzenhofen, nur wenige Kilometer vom Stammsitz entfernt.
Andreas Haimer möchte sich mit dem neuen Werkzeugmanagementsystem DAC an eine große Zielgruppe richten: „Mit dem DAC wollen wir die Digitalisierung im Werkzeugmanagement auch für klein- und mittelständische Unternehmen umsetzbar machen.“
Die Haimer Gruppe hat sich in den letzten Jahren zum Systemanbieter für das komplette Werkzeugmanagement entwickelt. Von den rund 800 Mitarbeitern weltweit arbeiten ca. 500 am Fertigungsstandort in Igenhausen mit modernstem Maschinenpark und sehr hohem Automatisierungsgrad bei großer Fertigungstiefe. Am zweiten Haimer Produktionsstandort in Bielefeld werden mit über 50 Mitarbeitern die Haimer Microset Voreinstellgeräte gebaut.
Scannen des Data-Matrix Codes beim-Schrumpfvorgang.
Wir können durch unser einzigartiges Produktprogramm wachsen, selbst wenn der Markt stagnieren sollte. Andreas Haimer, Geschäftsführer der Haimer GmbH


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